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3. Famulatur im Regional-Hospital

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Erfahrungsbericht

Das Krankenhaus

Das Tobago Regional Hospital ist ein Krankenhaus des öffentlichen Gesundheitssystems und umfasst mit seinen etwa 100 Betten die Abteilungen Chirurgie, Innere, Gynäkologie, Geburtshilfe, Kinderheilkunde und Anästhesie. Stationen für Geriatrie und Psychiatrie befinden sich in einem Außengebäude. In jeder Fachabteilung sind zwischen zwei und fünf Ärzten tätig. Der Leiter jeder Abteilung ist der Consultant, daneben gibt es Residents (Fachärzte) und House Officers (Assistenten).
Das Krankenhaus verfügt außerdem über eine (klimatisierte!) Bibliothek mit allen wichtigen Standardwerken aus dem amerikanischen Raum und eine Cafeteria für Angestellte, in der es für Mensa-Preise gute einheimische Küche gibt.
 
Ich habe mich für eine vierwöchige Famulatur in der Chirurgie entschieden. Die Abteilung hat circa 25 Betten, die von fünf Ärzten betreut werden.
 
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Der Tagesablauf

An meinem ersten Tag habe ich vom Consultant Dr. Schreiber eine Übersicht des Wochenablaufs ausgehändigt bekommen: Ansicht original Schedule
 
Montags und Mittwochs finden nach der ausführlichen chirurgischen Visite (bis zu 2 Stunden für 10 Patienten) die Consultant Rounds statt. Das ganze Team geht dabei über alle Stationen und betreut konsiliarisch Patienten aus anderen Fachgebieten. Danach wird die Visite vom House Officer ausgewertet und es folgen das Legen von Zugängen und Blutabnahmen. Letztere halten sich sehr in Grenzen, da Laborzubehör nicht immer im vollem Umfang zur Verfügung steht und an den Analysen selber gespart werden muss. So umfasst ein präoperatives Routinelabor meist nur ein Blutbild; Gerinnung und Elektrolyte bleiben besonderen Indikationen überlassen. Venöse Verweilkatheter sind ebenfalls Mangelware, so dass man oft auf Größen zurückgreift, die hierzulande nur von Anästhesisten in Narkose gelegt werden.
 
Beim Aufarbeiten der Patientenakten war ich anfangs völlig aufgeschmissen. Ohne die Kenntnis von unzähligen Abkürzungen ist es teilweise schwer möglich auch nur die Diagnose herauszufinden. Das Buch "Medical English" hilft einem hier aus dem Gröbsten heraus. Überhaupt sollte man sich sprachlich ein wenig vorbereiten und sein Schulenglisch um ein wenig Fachvokabular ausbauen.
 
Nachmittags finden einige Sprechstunden statt, wie beispielsweise die "Prostate Clinic" in der Screeninguntersuchungen und auch einige Biopsien durchgeführt werden. Montags werden die geplanten OPs für die kommende Woche angesehen und für den Eingriff aufgeklärt.
 
Dienstags und Freitags ist OP-Tag und man kann sich den ganzen Vormittag im klimatisierten "Theater" aufhalten. Diese sind frisch renoviert und erwecken auf den ersten Blick einen sehr kompletten und sauberen Eindruck. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass der Defi schon lange das Zeitliche gesegnet hat, das gespendete OP-Mikroskop ebenfalls defekt ist und fast alles Sterilgut, wie Nahtmaterial und Handschuhe, schon seit durchschnittlich 1 1/2 Jahren abgelaufen ist. Lediglich der Anästhesiewagen entspricht unseren Standards, wenn man davon absieht, dass alle (Einweg-)Schläuche wesentlich länger verwendet werden und es etwa zwei Wochen lang keinen Sauerstoff gab.
 
Am Anfang des Programms stehen kleine Eingriffe aus der Kinderchirurgie wie Zirkumzisionen sowie Leisten- und Nabelhernien. Weiterhin stehen viele Keloidentfernungen, Hernien, Amputationen und zahlreiche Abszesse auf dem Programm. Selten sind spektakuläre Eingriffe wie eine Notfalllaparotomie nach spitzem Bauchtrauma. Einmal im Monat kommt ein Orthopäde/Unfallchirurg aus Trinidad und operiert Frakturen und den einen oder anderen Halux valgus.
 
Die aktive Mitarbeit am Tisch ist gerne gesehen und da sich viele kleine Eingriffe wiederholen, bekommt man mit der Zeit tatsächlich ein Gefühl für das was gemacht wird und kann mit und mit auch viele Dinge (nicht nur die Hautnaht) selber machen. Der Consultant, ein seit wenigen Monaten hier praktizierender Chirurg aus den Vereinigten Staaten, ist sehr bemüht einem viel bei zu bringen und erwartet eine entsprechende theoretische Vorbereitung auf das aktuelle OP-Programm.
Zwischendurch gibt es dann noch ein warmes Essen aus der Cafete und der Nachmittag ist mehr oder weniger frei. Wer möchte erhält hier von Dr. Schreiber einen Einblick in seine Arbeit mit Selbsthilfegruppen.
 
Donnerstags ist ganztägig "Outpatient Clinic", in der Patienten ambulant betreut werden. Das Patientenaufkommen ist hier sehr hoch, so dass oft nur wenige Minuten für einen Patienten zur Verfügung stehen. Einige Patienten kennt man noch aus der Zeit des stationären Aufenthalts, andere hat man vielleicht schon mal im Rahmen einer der Selbsthilfegruppen kennen gelernt. Man befindet sich halt auf einer kleinen Insel mit nur 50.000 Einwohnern.
 
Die Grenzen des öffentlichen Gesundheitssystems zeigen sich an diesen Tagen oft sehr deutlich. Immer dann, wenn weiterführende Untersuchungen wie beispielsweise Gastro- oder Coloskopien angezeigt wären stehen die Patienten vor dem Problem, dass sie diese selber bezahlen müssen. Auch Materialien, wie beispielsweise Abstrichröhrchen zur mikrobiologischen Diagnostik müssen selbst besorgt werden. Als Folge dieses Zustandes wird viel Diagnostik nicht durchgeführt und Erkrankungen werden erst sehr spät erkannt.
 
Samstags und Sonntags hat man als Student frei, wobei es einem natürlich auch prinzipiell nahegelegt wird doch mal einen Dienst mitzumachen. Ich selbst war ein Wochenende im Krankenhaus, als zwei Urologen aus Pittsburgh eingeflogen kamen und Prostatakarzinome operiert haben.
 
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Der Lerneffekt

Trotz der sich häufig wiederholenden Krankheitsbilder und des begrenzten Spektrums an operativen Eingriffen wird einem die Möglichkeit gegeben viel an Wissen und Endrücken mitzunehmen. Insbesondere der Einsatz des Consultant Dr. Schreiber ist es zu verdanken, dass man hier teilweise hervorragendes Bedside-Teaching erlebt. Außerdem ist er sehr an einem Feedback seiner Lehrbemühungen interessiert.
 
Des weiteren wird einem die Möglichkeit gegeben über die Grenzen der Fachabteilungen hinaus interessante Patienten zu untersuchen und vorzustellen, wobei sich letzterem eine ausführliche Erörterung des Krankheitsbildes anschließt.
 
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